Operation bei Schulterluxation
Kugelt die Schulter aus, werden oft Kapsel, Bänder und Gelenklippe am vorderen Pfannenrand verletzt – manchmal auch der Knochen. Nicht jede Luxation muss operiert werden. Kugelt die Schulter jedoch wiederholt aus oder ist Knochen mitverletzt, kann eine Operation das Gelenk wieder stabilisieren.

Auf einen Blick
Wann wird operiert?
Bei wiederholten Luxationen, anhaltender Instabilität und knöchernen Verletzungen. Bei jungen, sportlich aktiven Menschen kann bereits nach der ersten Luxation eine Operation sinnvoll sein.
Arthroskopisch oder offen?
Verletzungen der Weichteile und frische knöcherne Ausrisse werden meist arthroskopisch versorgt. Größere Knochendefekte an der Pfanne erfordern einen offenen Eingriff.
Klinikaufenthalt
Wie lange Sie in der Klinik bleiben, hängt vom Verfahren ab. Den genauen Ablauf besprechen wir vor der Operation mit Ihnen.
Nachbehandlung
Nach der Operation wird die Schulter einige Wochen geschützt. Physiotherapie baut Beweglichkeit und Kraft anschließend schrittweise wieder auf.
Die Verfahren im Überblick
Welches Verfahren infrage kommt, hängt vor allem davon ab, ob nur Weichteile verletzt sind oder auch Knochen – und wie groß ein Knochendefekt ist. Die Entscheidung treffen wir gemeinsam mit Ihnen nach der Untersuchung und der Bildgebung.
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arthroskopisch
Bankart-Refixation
Die abgelöste Gelenklippe wird mit kleinen Fadenankern wieder am vorderen Pfannenrand befestigt.
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arthroskopisch
Remplissage bei Hill-Sachs-Defekt
Eine Delle am Oberarmkopf wird mit Kapselgewebe aufgefüllt, damit der Kopf nicht mehr am Pfannenrand einhakt.
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arthroskopisch
Rekonstruktion der Bankart-Fraktur
Ein frisch abgebrochenes Knochenstück am Pfannenrand wird mit Fadenankern wieder angesetzt.
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offen
Beckenkammspan (J-Span)
Ein Knochenspan vom Beckenkamm ergänzt einen größeren Knochendefekt an der Gelenkpfanne.
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offen
Operation nach Latarjet
Die Spitze des Rabenschnabelfortsatzes (Korakoid) wird an den vorderen Pfannenrand versetzt und stabilisiert die Schulter.
Die Verfahren Schritt für Schritt
Für alle, die es genau wissen möchten: So laufen die einzelnen Operationen ab.
Bankart-Refixation (arthroskopisch)
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1Typischer Bankart-Defekt: Die Gelenklippe (Labrum glenoidale) hat sich vom vorderen Pfannenrand gelöst und ist teilweise aufgebraucht.
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2Mobilisation des Labrum-Ligament-Komplexes mit dem Raspatorium.
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3Bei einem knotenfreien Anker wird zunächst der Labrum-Ligament-Komplex perforiert und der Lassofaden (blau) nach hinten gezogen. Dort wird eine Fadenschlaufe eingelegt (kleines Bild) und nach vorne herausgezogen.
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4Die Fadenschlaufe wird in sich selbst verblockt.
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5Nach dem Vorbohren eines Aufnahmelochs werden die Fadenenden in den Ankerapplikator eingelegt. Der Anker wird unter Zug an den Fäden im Loch fixiert.
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6Endergebnis nach Verwendung von drei knotenlosen Ankern.
Remplissage bei Hill-Sachs-Defekt (arthroskopisch)
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1Unter Sicht von vorne oben wird der Hill-Sachs-Defekt mit einer Walzenfräse angefrischt und geglättet.
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2Ein kräftiger Schraub-Fadenanker mit zwei Fadenpaaren wird eingebracht. Nach dem Zurückziehen der Arbeitskanüle wird die Kapsel viermal durchstoßen, und es werden zwei horizontale Matratzennähte vorgelegt.
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3Nach dem Verknoten der Fäden legt sich das Kapselgewebe in den Defekt. So kann der Oberarmkopf nicht mehr am vorderen Pfannenrand einhaken und erneut auskugeln.
Rekonstruktion der frischen Bankart-Fraktur (arthroskopisch)
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1Knöcherner Abriss des vorderen unteren Pfannenrandes mit Ausriss des Kapsel-Band-Apparates.
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2Ein Nahtanker wird am unteren Ende der knöchernen Verletzung gesetzt. Die Fäden werden durch das Knochenfragment geführt oder darunter hindurchgestochen.
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3Die Fäden werden verknotet und das Knochenfragment so an den Pfannenrand zurückgeführt.
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4Nach einem zweiten Anker am oberen Ende der knöchernen Verletzung ist meist ein dritter Anker darüber nötig, um die ausgerissene Gelenklippe wieder anzuheften.
Beckenkammspan / J-Span (offen)
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1Vom vorderen Beckenkamm wird am Übergang vom vorderen zum mittleren Drittel ein Knochenspan entnommen, dessen Länge dem Knochendefekt an der Pfanne entspricht.
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2Mit einer oszillierenden Säge wird die Innenseite des Spans so geformt, dass sie im Profil einem „J“ ähnelt.
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3Der Span wird in ein mit dem Meißel vorbereitetes knöchernes Lager eingebolzt. Der kurze Schenkel des „J“ liegt der Gelenkfläche der Pfanne satt an und ergänzt sie stufenlos. Kleinere Unebenheiten werden mit einer Fräse ausgeglichen.
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4Die Kapsel wird über dem Span verschlossen.
Operation nach Latarjet – Korakoidtransfer (offen)
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1Durchtrennung des korakoakromialen Bandes nahe am Schulterdach, Absetzen und Anschlingen der Sehne des kleinen Brustmuskels (M. pectoralis minor).
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2Darstellung des Korakoids und seiner Basis.
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3Durchtrennung der Korakoidbasis mit der abgewinkelten oszillierenden Säge.
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4Bohren der beiden parallelen 4-mm-Löcher mit dem Korakoid-Zielgerät.
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5Anfrischen des Pfannenhalses nach Eröffnung der Kapsel.
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6Aufsetzen des Glenoid-Zielgeräts auf das Korakoid.
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7Fixation des Korakoids mit zwei Kirschner-Drähten.
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8Nach Entfernen des Zielgeräts wird die Länge der Schrauben gemessen. Die Kirschner-Drähte werden mit einem 2,75-mm-Bohrer überbohrt.
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9Befestigung der Korakoidspitze mit zwei 4-mm-Malleolarschrauben und Verstärkung der Kapsel durch das korakoakromiale Band.
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