Öffnet in einem neuen Tab

Schulterluxation – ausgekugelte Schulter

Die Schulter ist das beweglichste Gelenk des Körpers – und deshalb anfällig dafür, auszukugeln. Springt der Oberarmkopf aus der Pfanne, werden oft Gelenklippe, Bänder oder Knochen verletzt, und die Schulter kann instabil bleiben. Je nach Ursache, Alter und Verletzung behandeln wir konservativ oder stabilisieren das Gelenk operativ.

Frau hält sich die schmerzende Schulter, das Schultergelenk ist grafisch hervorgehoben

Auf einen Blick

  • Typische Beschwerden

    Starke Schmerzen und eine blockierte Schulter nach einem Sturz oder Verreißen. Bei instabiler Schulter wiederholtes Aus- oder Halbauskugeln, teils schon bei Alltagsbewegungen.

  • Drei Formen

    Unfallbedingt (traumatisch), anlagebedingt bei Bandschwäche (habituell) oder durch eine fehlgesteuerte Muskelspannung (neurologisch).

  • Diagnose

    Untersuchung und Röntgen, dann Einrenken – meist in kurzer Narkose. Die MRT zeigt Verletzungen von Gelenklippe, Bändern und Knorpel, bei Brüchen hilft ein CT.

  • Behandlung

    Bei jungen, aktiven Menschen nach einem Unfall meist arthroskopische Stabilisierung. Bei Bandschwäche zunächst Ruhigstellung und gezieltes Muskeltraining.

Was passiert bei einer Schulterluxation?

Das Schultergelenk besteht aus einem großen Oberarmkopf und einer vergleichsweise kleinen, flachen Gelenkpfanne. Diese Bauweise ermöglicht die enorme Beweglichkeit der Schulter, macht sie aber auch weniger stabil als andere Gelenke. Durch ein heftiges Verreißen oder einen Sturz kann der Oberarmkopf aus der Pfanne springen – die Schulter ist ausgekugelt (luxiert).

Dabei werden häufig die Strukturen verletzt, die das Gelenk stabilisieren, allen voran die Gelenklippe (Labrum). Sie umgibt die Pfanne wie ein Ring, vergrößert ihre Fläche und hält den Oberarmkopf fast wie ein Saugnapf. Ist sie abgerissen, bleibt die Schulter oft instabil und kann erneut auskugeln.

Ausführliche Informationen

Hier finden Sie ausführliche Informationen zu den Formen der Schulterluxation, zu Diagnose, Behandlung und Nachbehandlung.

Ursachen: drei Formen der Schulterluxation

Unfallbedingt (traumatisch): Durch eine starke Krafteinwirkung springt der Oberarmkopf meist nach vorne, seltener nach hinten aus der Pfanne. Dabei reißen häufig die Gelenklippe und die Gelenkbänder, bei älteren Menschen auch die stabilisierenden Sehnen der Rotatorenmanschette. Zusätzlich können Knorpel, Knochen und Nerven verletzt werden.

Anlagebedingt (habituell): Schon ein Bagatellunfall, eine ruckartige Überdehnung oder das Liegen auf der Schulter in der Nacht genügt, und die Schulter kugelt halb oder ganz aus. Ursache ist eine angeborene Bandschwäche mit überbeweglichen Gelenken. Die Instabilität beginnt meist im Jugendalter, die Luxationen wiederholen sich immer wieder.

Neurologisch (multidirektional): Durch eine Fehlsteuerung der Muskulatur spannt sich eine Muskelgruppe unwillkürlich stark an, während andere gleichzeitig erschlaffen. Der Oberarmkopf kann so nach vorne, unten oder hinten auskugeln.

Beschwerden und Diagnose

Starke Schmerzen und eine blockierte Schulter nach einem Sturz oder einem heftigen Verreißen deuten auf eine Luxation oder einen Knochenbruch hin. Klarheit bringen die körperliche Untersuchung und ein Röntgenbild. Anschließend wird die Schulter eingerenkt – damit dies möglichst schonend gelingt, meist in einer kurzen Narkose.

Eine MRT zeigt danach, welche Strukturen verletzt sind: Gelenklippe, Bänder, Muskeln, Sehnen und Knorpel. Bei Knochenbrüchen kann zusätzlich eine Computertomografie nötig sein.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen einer unfallbedingten und einer anlagebedingten Luxation, denn beide werden unterschiedlich behandelt.

Wann eine Operation sinnvoll ist

Junge, aktive Menschen nach einem Unfall: Wurden wichtige Stabilisatoren verletzt, raten wir meist zur Operation. Ohne Operation entwickelt sich in dieser Gruppe in mehr als 85 Prozent der Fälle eine dauerhafte Instabilität – schon alltägliche Bewegungen können die Schulter dann erneut auskugeln lassen.

Ältere Menschen nach einem Unfall: Das Risiko einer dauerhaften Instabilität ist deutlich geringer. Eine Operation empfehlen wir hier vor allem dann, wenn die Rotatorenmanschette gerissen ist.

Anlagebedingte Instabilität: Hier behandeln wir zunächst konservativ. Erst wenn das nicht ausreichend hilft, kommt eine Operation infrage.

Neurologische Form: Eine Operation ist hier nicht sinnvoll.

Konservative Behandlung

Bei einer anlagebedingten Instabilität wird die Schulter nach dem Einrenken zunächst für drei Wochen in einer Bandage oder einem Abduktionskissen ruhiggestellt, damit die überdehnten Strukturen abheilen können. Anschließend kräftigt Physiotherapie die Schultermuskulatur und schult die Koordination.

Bei der neurologischen Form wird die fehlerhafte Muskelsteuerung in einer speziellen Physiotherapie umtrainiert – mit Biofeedback-Verfahren und Elektrostimulation der Muskulatur.

Operation

Die Stabilisierung erfolgt in der Regel arthroskopisch über drei kleine Hautschnitte von wenigen Millimetern. Zunächst stellen wir mit der Kamera alle Verletzungen genau dar, dann werden sie mit feinen Instrumenten versorgt.

Im Mittelpunkt steht die Wiederherstellung der Gelenklippe: Sie wird mit kleinen Knochenankern, die Fäden im Knochen halten, wieder an der Pfanne befestigt. Gleichzeitig wird der gedehnte Bandapparat gerafft und angenäht (Bankart-Operation).

Nach schweren oder wiederholten Luxationen können zusätzlich Knochenschäden an der Pfanne (knöcherne Bankart-Läsion) und eine Delle am Oberarmkopf (Hill-Sachs-Delle) entstehen. Größere Knochendefekte an der Pfanne lassen sich nicht allein durch die Naht der Weichteile ausgleichen – dann muss die Pfanne knöchern wiederaufgebaut werden:

  • Operation nach Latarjet: Die Pfanne wird mit einem Teil des Rabenschnabelfortsatzes (Korakoid) verbreitert. Das offene Verfahren wird seit 1954 angewendet und zeigt gute Langzeitergebnisse – sowohl gegen erneutes Auskugeln als auch gegen eine spätere Arthrose. Zum Verfahren
  • J-Span nach Resch: Bei noch größeren Defekten, besonders am hinteren Pfannenrand, wird ein keilförmiger Knochenspan aus dem Beckenkamm in den Pfannenrand eingesetzt. Er hebt und verbreitert die Pfanne. Das Verfahren ist in abgewandelter Technik auch arthroskopisch möglich. Zum Verfahren

Alle Verfahren Schritt für Schritt mit Abbildungen: Operation bei Schulterluxation

Nachbehandlung

Nach der Operation wird die Schulter für drei Wochen in einem Abduktionskissen ruhiggestellt. Bereits in dieser Zeit beginnen unter Anleitung erste Bewegungsübungen. Das eigentliche Krafttraining startet etwa sechs Wochen nach der Operation: Physiotherapie kräftigt die Schultermuskulatur und schult die Koordination.

Sportarten mit geringem Risiko wie Joggen können nach Absprache schon früher wieder aufgenommen werden. Sportarten mit Sturzgefahr und Kontaktsportarten sind nach etwa sechs Monaten wieder möglich.

Termin vereinbaren

Buchen Sie Ihren Termin rund um die Uhr online über Doctolib. Bei akuten Beschwerden sind kurzfristige Termine nach Verfügbarkeit möglich.