Impingement-Syndrom
Beim Impingement-Syndrom ist der Raum unter dem Schulterdach zu eng geworden. Sehnen und Schleimbeutel werden beim Anheben des Arms gereizt oder eingeklemmt – typisch sind Schmerzen beim seitlichen Heben des Arms und in der Nacht. Meist lässt sich das Engpass-Syndrom konservativ gut behandeln; reicht das nicht aus, schaffen wir arthroskopisch wieder Platz.

Auf einen Blick
Typische Beschwerden
Schmerzen beim seitlichen Anheben des Arms und bei Überkopfbewegungen, oft auch nachts beim Liegen auf der betroffenen Schulter.
Häufige Ursachen
Überkopfarbeit, Wurf- und Ballsportarten, knöcherne Sporne oder eine ungünstige Form des Schulterdachs sowie Verschleiß des Schultereckgelenks.
Diagnose
Gespräch und körperliche Untersuchung, Röntgen sowie Ultraschall oder MRT; bei Bedarf eine Testinjektion zur Abgrenzung.
Behandlung
Meist konservativ mit Schonung, Kühlung, entzündungshemmenden Medikamenten und Physiotherapie. Reicht das nicht aus: arthroskopische Erweiterung des Raums unter dem Schulterdach.
Was ist ein Impingement-Syndrom?
Unter dem Schulterdach (Akromion) verlaufen die Sehnen der Rotatorenmanschette, die lange Bizepssehne und ein Schleimbeutel. Der Raum dafür ist von Natur aus eng. Wird er zusätzlich verengt, können die Sehnen beim Anheben des Arms nicht mehr frei gleiten: Sie und der Schleimbeutel reiben am Schulterdach oder werden kurzzeitig eingeklemmt. Diese Einklemmung wird als Impingement bezeichnet, das daraus entstehende Beschwerdebild als Impingement- oder Engpass-Syndrom.
Ein kurzzeitiges Impingement kann bei jedem Menschen auftreten, etwa wenn der Arm über Schulterhöhe angehoben wird – ohne dass dauerhafte Schmerzen entstehen. Zum Problem wird es, wenn die Reizung anhält, der Schleimbeutel anschwillt und sich der Engpass dadurch weiter verstärkt.
Ausführliche Informationen
Hier finden Sie ausführliche Informationen zu Ursachen, Beschwerden, Diagnose, Behandlung und Nachbehandlung.
Ursachen für das Impingement-Syndrom
Häufige Überkopfbelastungen – im Beruf oder bei Wurf- und Ballsportarten – begünstigen ein Impingement und können die Rotatorenmanschette schädigen. Beim Anheben des Arms drückt der Oberarmkopf dann gegen die Unterkante des Schulterdachs. Wiederholte Reizung führt zu einer Entzündung und Schwellung des Schleimbeutels, die den Raum zusätzlich einengt.
Weitere Faktoren können den Engpass verstärken:
- Knochensporne an der Unterseite des Schulterdachs, die sich mit dem Alter bilden
- Verschleiß des Schultereckgelenks (AC-Gelenk-Arthrose) zwischen Schlüsselbein und Schulterdach
- Eine angeborene Form des Schulterdachs, die nach unten gekrümmt ist und den Raum darunter verkleinert
Beschwerden
Zu Beginn verursacht das Impingement-Syndrom einen allgemeinen, schwer lokalisierbaren Schulterschmerz. Er zeigt sich besonders, wenn der Arm seitlich nach oben geführt wird. Viele Betroffene schlafen schlecht, weil das Liegen auf der betroffenen Schulter schmerzt.
Typisch ist ein stechender Schmerz beim Griff in die hintere Hosentasche oder wenn der Arm über den Kopf gehoben und wieder gesenkt wird. Ein Schnappen beim Senken des Arms kann auf eine Schädigung der langen Bizepssehne hinweisen, eine eingeschränkte Beweglichkeit auf einen Teilriss der Rotatorenmanschette. Hält das Impingement lange an, kann die Schulter zunehmend einsteifen – ein Hinweis auf eine Entzündung der Gelenkkapsel (Kapsulitis).
Diagnose
Die Diagnose stützt sich auf ein ausführliches Gespräch und die körperliche Untersuchung: Wir tasten die Schulter ab, prüfen die Beweglichkeit und fragen nach beruflichen und sportlichen Belastungen. Gereizte Schleimbeutel (Bursitis) und Sehnen (Tendinitis) lassen sich so bereits gut erkennen.
Röntgenbilder bestätigen den Verdacht: Sie zeigen knöcherne Veränderungen wie Sporne oder eine ungünstige Form des Schulterdachs. Der Abstand zwischen Schulterdach und Oberarmkopf sollte zwischen 8 und 14 mm liegen. Die Weichteile – etwa ein möglicher Riss der Rotatorenmanschette – beurteilen wir mit Ultraschall oder MRT.
Manchmal ist unklar, ob der Schmerz aus der Schulter kommt oder von einem eingeklemmten Nerv im Nacken ausstrahlt. Dann hilft eine Testinjektion mit einem örtlichen Betäubungsmittel in den Schleimbeutel: Lassen die Schmerzen sofort deutlich nach, liegt sehr wahrscheinlich eine Schleimbeutelentzündung vor. Vom Nacken ausstrahlende Schmerzen bessern sich dadurch kaum und sollten neurologisch abgeklärt werden.
Konservative Behandlung
In der Regel lässt sich das Impingement-Syndrom ohne Operation gut behandeln. Entzündungshemmende Schmerzmittel, Schonung und Kühlung beruhigen die Reizung. Bei starken Schmerzen kann eine gezielte Injektion mit Kortison rasch lindern; ihre Wirkung ist allerdings zeitlich begrenzt.
Physiotherapie unterstützt die Heilung: Manuelle Techniken, Dehnübungen, Muskelaufbau und Gelenkmobilisation stellen die schmerzfreie Beweglichkeit wieder her. Mehr Kraft und eine bessere Koordination helfen Rotatorenmanschette und Schultergürtelmuskulatur, den Oberarmkopf zu führen – er gleitet wieder geschmeidig in der Pfanne, die Reibung am Schulterdach nimmt ab. Bis sich der Erfolg einstellt, braucht es manchmal etwas Geduld.
Operation: arthroskopische subakromiale Dekompression
Reicht die konservative Behandlung nicht aus, operieren wir minimalinvasiv per Gelenkspiegelung (Arthroskopie). Über etwa 5 mm kleine Hautschnitte wird eine Kamera in das Gelenk eingeführt. Sterile Spülflüssigkeit weitet den engen Gelenkraum, sodass wir zunächst das Gelenk und dann den Raum unter dem Schulterdach beurteilen können. Die Korrektur erfolgt mit feinen Instrumenten über dieselben kleinen Schnitte. Offene Operationen sind für diesen Eingriff heute nicht mehr üblich.
Bei der subakromialen Dekompression wird der Raum unter dem Schulterdach erweitert:
- Der entzündlich verdickte, schmerzhafte Schleimbeutel wird entfernt.
- Das zu straffe Band zwischen Rabenschnabelfortsatz und Schulterdach wird durchtrennt, um Spannung zu nehmen.
- Ein Knochensporn an der Unterseite des Schulterdachs wird abgetragen und die Unterfläche geglättet (Akromioplastik). Bei einem nach unten gekrümmten Schulterdach wird entsprechend mehr Knochen entfernt.
Besteht zusätzlich eine Arthrose des Schultereckgelenks, können in derselben Operation die Gelenkflächen geglättet und Knochenwucherungen entfernt werden (AC-Gelenk-Resektion).
Rehabilitation nach der Operation
Nach dem Eingriff tragen Sie nur für ein bis zwei Tage eine Armschlinge. Mit der Mobilisation des Schultergelenks beginnen wir sofort – grundsätzlich im schmerzfreien Bereich. Mit fortschreitender Heilung kommen Übungen für Beweglichkeit, Koordination und Kraft hinzu.
Nach zwei bis vier Wochen folgen aktive Übungen. Isometrische Übungen trainieren die Muskulatur, ohne die Sehnen zu belasten. Etwa einen Monat nach dem Eingriff beginnt die gezielte Kräftigung von Schultergürtel und Rotatorenmanschette. Ziel ist, dass der Oberarmkopf wieder frei in der Pfanne gleitet, ohne am Schulterdach zu reiben. Bis zur vollständigen Belastbarkeit können mehrere Monate vergehen.
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